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Jersey
Wie nennt man Popmusik, die mühelos
zwischen Manchester-Gitarren und milder Clubmusik hin-
und herschaltet, ohne für eine Sekunde den Flow aus
den Augen zu verlieren? Die sich Zeit lässt und dennoch
in jedem Moment absolut präsent ist? Es ist eine Gratwanderung,
die JERSEY auf ihrem zweiten Album "Itinerary" mit jedem
Stück aufs Neue meistern: Der scheinbare Gegensatz zwischen
Leichtigkeit und komplexen Arrangements, zwischen Dichte
und Transparenz wird hier mühelos aufgehoben. Dabei
kann man den Sound dieses Fünfers aus Berlin kaum als
fordernd oder gewagt bezeichnen. Jersey klingen vielmehr
warm, ruhig und leicht melancholisch. Jersey sind Marion
Gerth (ehemals Fred is Dead), Andreas Haberl (the Notwist,
Andromeda Mega Express Orchestra), Max Punktezahl (the
Notwist, Contriva), Noel Rademacher (Noël) und Florian
Zimmer (Saroos, iso68). Mit "Itinerary" ist es der Band
gelungen, eine Reihe höchst unterschiedlicher Instrumentalstücke
und Songs zu einem harmonischen Album auszubalancieren.
Bei aller Raffinesse, mit der auf "Itinerary" mit Subbässen,
unterschwelligen Computernoises und anderen Clubelementen
hantiert wurde, bleiben Jersey eine Gitarrenband. Berührungsängste
hat die Band offenbar keine - weder Elektronika noch
Postrock gegenüber. Man fühlt sich streckenweise erinnert
an die unprätentiöse, stoisch nagelnde Gitarrenmusik
von Bands aus den Neunzigern, die auf Indie-Rock-Opulenz
mit sparsamer Strenge antworteten. Aber solche Momente
sind nur von kurzer Dauer, denn hypnotische Endlosschleifen
sind Jerseys Sache nicht. Vielmehr beweist die Band
ein ausgesprochenes Händchen für Songwriting, jedoch
ohne sich dem Schema des klassischen Songaufbaus zu
unterwerfen. So setzt der Gesang oft spät und unerwartet
ein, ganz so, als sei er ein weiteres Instrument. Dabei
fügt sich die warme Stimme von Sänger Noel unaufdringlich
in den Gesamtsound der Band ein. Beinahe möchte man
von "Instrumentalmusik mit Gesang" sprechen. Jersey
sind Meister des groovenden Midtempo und mit Norman
Nietzsche hat bei dieser Produktion ohne Zweifel ein
Könner das Mischpult bedient.
Links
www.jersey-music.com
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