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Saroos
Es ist noch gar nicht lange her,
da mochte die Elektronik-Fraktion unter den Produzenten
und Konsumenten keine Beats mehr hören. Wenn einer
Beats programmierte ausserhalb von HipHip- und Techno-
Kontexten, dann musste er schon gute Gründe dafür
vorweisen können. Beats natürlich im Sinne
von Bassdrum, Snare und HiHat. Nichts gegen Rhythmik
- davon wollte sich natürlich niemand verabschieden.
Aber sie sollte doch bitte computergeneriert oder aus
Geräuschsamples gebastelt sein - clicks and cuts
eben. Und anhand dieses kurzen Ausflugs in die jüngste
Popmusikgeschichte kann man schön feststellen,
wie schnell und immer schneller doch alles geht. Denn
jetzt, kaum einen Wimpernschlag später, sind es
die clicks und cuts, die unter Kitsch-Verdacht geraten.
Aktuelle Popmusik, die mit dem guten alten Beat auskommt,
wirkt geradezu erleichternd. Insofern ist der Veröffentlichungszeitpunkt
von Saroos gut gewählt. Denn eines der augenscheinlichen
Merkmale der Musik auf dem Debut von Florian Zimmer
und Christoph Brandner sind die "normalen"
Beats, die die Stücke durchpulsen. Brandner und
Zimmer sind in vielerlei Hinsicht keine unbeschriebenen
Notenblätter. Kollege Flow (Zimmer), Exilmünchener
und Wahlberliner, ist Mitglied bei diversen Bandprojekten
wie ISO 68 und Jersey. Brandner wiederum spielt bei
den hinlänglich eingeführten Lali Puna. Die
Veröffentlichung des Debuts dieses Duos auf dem
Notwisteigenen label Alien Transistor macht grossen
Sinn. Meisterlich pflegen Saroos die alte, deepe Schule
des Illbient. Bei aller Dichte der Arrangements klingt
ihre Musik warm und wohlig. Eine knapp vierzigminütige
Verführung zum Hineintauchen und Sich Fallenlassen.
Und wo wir gerade bei alten Schulen sind: Wann hört
eigentlich der Begriff "Trip Hop" auf, ein
Schimpfwort zu sein? Mühelos vermag man sich Nicolettes
Stimme über dem Saroosschen Klanggewebe vorzustellen.
Denn Zimmer und Brandner musizieren angenehm konkret
und bei allem, was sich in den Tiefen der Tracks so
tummelt, klar und eindeutig. Die grundsätzlich
einfach gehaltenen Melodien, die Rhythmik in Form von
klaren Beatstrukturen, die Flächen von grosser
Nähe und Wärme. Alles befindet sich ganz selbstverständlich
an seinem Platz und gehört nirgendwo anders hin.
Links
www.myspace.com/saroos
www.alientransistor.de
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